Open Robe 18Jh. – Schnürbrust Teil 2

Heute geht es mit großen Schritten weiter!

Alle Teile sind mittlerweile mit Stäbchen bestückt. Und an dem Satz “Übung macht den Meister” ist mal wieder etwas Wahres dran. Jeder Tunnel wurde besser, als der zuvor und beim letzten Teil hat sich der Stoff nicht mal mehr wirklich arg verzogen.

Da ich manchmal aber helle Momente habe, hatte ich das ohnehin einkalkuliert und überall großzügig Stoff zugegeben, sodass ich rundherum einfach alles überstehende abgeschnitten habe, um einen sauberen Rand zu erhalten.

Das schwierigste war eigentlich den unbehandelten Baumwollstoff für das Futter zu bügeln. Denn die Waschmaschine hatte ihm arg zugesetzt und völlig verknittert. Er wurde zwar glatt, aber man sieht die Knitter noch immer. Da er aber ohnehin nur innen liegt, soll es mich nicht weiter stören.

Der bedruckte Baumwollstoff für die äußere Lage war mal ein Bettbezug aus den – ich schätze mal – 50er/60er Jahren, den ich in einem 2nd Hand Laden für läppische 3 Euro erstanden habe. (Er diente bisher schon als Stoff für eine lange Schürze und einen langen Rock im Civil-War-Stil… vielleicht mache ich davon auch mal Fotos).

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Hier sieht man die einzelnen Lagen – ganz schön viel Stoff! Diese habe ich erst mal grob am Rand zusammengenäht. Vorher mussten unten die Zaddeln eingeschnitten werden. Ich habe mich hier überhaupt nicht an die Vorlage gehalten, sondern so geschnitten, wie ich es für sinnvoll hielt. Die Zaddeln dienen dazu, dass die Stäbchen in ihnen auslaufen können und nicht in den Körper drücken. Außerdem finde ich sie unglaublich hübsch. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ein Stäbchen habe ich allerdings wieder erwischt. Das wird zumindest niemals verrutschen 🙂

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Nachdem jedes Teil schön eingepackt war (und man nichts mehr von dem hübschen rosa Stoff sah) habe ich die Teile an meine Schneiderpuppe und mich angehalten und im Taillenbereich zusammen gesteckt. Mehrmals angehalten und justiert. Die Schnürbrust soll vorne bündig zu schließen sein und hinten weiter auseinander. Und es sollte hinten schon einiges auseinander sein, da sich der Stoff mit der Zeit beim tragen dehnt und nachgezogen werden muss. Dafür muss Spielraum sein. Und vielleicht verliere ich ja auch mal ein paar Kilo, wer weiß…

Da ich wieder mal vorher großzügig Stoff zugegeben habe, musste ich einiges an der Taille wegnehmen. Sowohl vorne als auch hinten habe ich gut 2-3cm umgeschlagen. Gar nicht so schlecht eigentlich, da das die Stellen, wo geschnürt wird, noch mal verstärkt hat.

Und dann kam das Schrägband… faszinierendes Teufelszeug! Ich habe noch nie zuvor mit Schrägband gearbeitet. Die Erfindung ist fantastisch und in der Theorie auch ganz einfach anzubringen. In der Theorie! Ich hätte vorher vielleicht mal an einem belanglosem Stück Stoff üben sollen. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht aufs Ganze setzen und zusätzliche Arbeit vermeiden wollen würde.

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Naja, die zusätzliche Arbeit bestand dann darin einige Teile wieder öffnen zu müssen, weil ich entweder den hinteren Teil des Schrägbands, oder den Stoff der Schnürbrust nicht erwischt hatte. Aber auch hier wurde es von Zentimeter zu Zentimeter besser. Und die Zaddeln, vor denen ich mich gefürchtet hatte, haben eigentlich am besten funktioniert. Die spitzen inneren Ecken hätten bestimmt schöner aussehen können, aber hey… Übung macht den Meister 🙂

Im Großen und Ganzen sieht es doch recht hübsch aus… fast wie Engelsflügel.

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Soweit so gut. Jetzt fing die hypnotische Arbeit an: Schnürlöcher!
Zu Anfang eigentlich eher eine rabiate Sache. Von meinem Großvater habe ich einige wunderschöne alte Werkzeuge geerbt (unter anderem die geschmiedete Schere oben auf dem Bild. Ich liebe sie! Habe sie noch nie schärfen müssen.)
Für die Löcher habe ich hier so ein Ding genommen. Ich habe absolut keine Ahnung, wie man das nennt. Vielleicht Lochmeißel? Die Spitze ist hohl und man schlägt es mit dem Hammer durch den Stoff. Das Stoff-Konfetti wird dann in der Mitte des Stifts heraus geschoben. Ich habe auch eine Lochzange, aber bei teilweise 8 Lagen Stoff… keine Chance! So hat das fabulös funktioniert. Ist sogar durch meinen Teppich durch und hat ein paar Abdrücke im PVC Boden hinterlassen (bitte nicht meinem Vermieter sagen, wenn man es nicht weiß, sieht man es nicht :D)

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Dem folgte akkurates, genaues arbeiten… ja… nee 🙂 Ach, da kommt eh Schnürband durch, nicht wahr? Immerhin kann man es sogar machen, wenn man kränkelnd vorm Fernseher liegt… Sieht so oder so aus wie Kraut und Rüben. Hier sind noch welche der schönsten Löcher (und nein, man kann es nicht vergrößert anschauen,…aus Gründen :))

Schnuerbrust_Loecher

Bitte nicht klicken!

25 Löcher habe ich schon geschafft. 35 liegen noch vor mir. 10 Davon in den Trägern, die auch noch zurecht geschnitten werden müssen. Aber es ist ein Ende in Sicht 🙂 Meine Finger tun weh…

 

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One Response so far...

  1. Mica says:

    Das nimmt ja richtig Format an- und so schnell!
    Und wie süß, dass Du den Blümchenstoff verwendet hast ☺️
    Dann fröhliches Löcherräbder nähen und gute Besserung!
    Mica

Comments

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